Lese-Rechtschreib-Schwäche

„Wenn ein Kind lesen oder schreiben will, muss es gleichzeitig hören, sehen, die Hand bewegen, den Körper im Gleichgewicht halten. Dabei muss es auch noch an die Buchstaben, Regeln und den Inhalt des Textes denken – komplexe Vorgänge.”

Wenn nur ein Glied in dieser Kette reißt, wie bei einem Kind mit LRS, wird Lesen und Schreiben zur Belastung. Es macht mehr Fehler als 95 Prozent seiner Altersgenossen, obwohl es mindestens durchschnittlich intelligent ist.

Da es anders sieht, hört, fühlt oder sich bewegt, verhält sich das lese-rechtschreibschwache Kind häufig so, dass es die Leistungen nicht erbringt, zu denen es eigentlich fähig wäre. Dies bedingt Missverständnisse über z.B. die Aufgabenstellung oder Motivationseinbrüche, Selbstwert- und Beziehungsprobleme. Problematische Verhaltensweisen können sich verfestigen und dadurch zu einer Lernblockade führen.

 

  • Wenn Lernblockaden erkannt werden, können alle Beteiligten beginnen, Lösungswege zu erarbeiten. Jede Bemühung um Veränderung wird mit Bestätigung, Freude, Geduld und Anerkennung begrüßt.
  • Hör- und Sprechübungen mit Hilfe des Spiegels, Abtasten der Artikulationsstellen, Bilder und bewährte Programme zur phonologischen Bewusstheit verbessern die Aussprache und das Verständnis.
  • Mit der jeweiligen Lernstufe und dem Lerntyp des Kindes angepasstem, strukturiertem und umfangreichem Wortmaterial, mit Spielen, individuellen Arbeitsvorlagen, kreativem Schreiben und Gesprächen werden die sprachlichen Welten erforscht und erfahren.
  • Die Gesetze der Sprache werden ausprobiert, verschiedene Strukturierungshilfen angewendet.
  • Phonologische Bewusstheit, das Erkennen orthografischer Regeln und sprachlicher Strukturen helfen, das Lesen und Schreiben zu automatisieren.

In der Lerntherapie versteht das Kind, wie es mit Anforderungen im Lesen und Schreiben umgeht. Es findet dafür einen geschützten Rahmen. „Schreibe ich lieber mit einem dicken oder einem dünnen Stift? Brauche ich einfache Linien, Dreifachlinien beim Schreiben oder besser gar keine Linien? Bleibe ich konzentrierter auf einem feststehenden Stuhl oder bringt mich der bewegliche Stuhl in die Konzentration? Sitzen, Liegen oder Stehen beim Schreiben? Wie oft brauche ich eine Pause? Hilft mir Bewegung oder Ruhe? Wie gestalte ich meinen Arbeitsplatz?“ Wenn das Kind lernt, diese Fragen für sich zu beantworten, kann es bald mit Hilfe seiner Eltern und Lehrer wirksam Einfluss auf sein Lernverhalten nehmen.

Es nimmt sich Zeit, das Gehörte richtig zu verarbeiten und die Laute den richtigen Buchstaben zuzuordnen. Es trainiert seine visuellen Fähigkeiten. Es übt Ableitungsregeln anzuwenden, Sinnentnahme und automatisiertes Lesen und die richtige Aussprache. Es erforscht sprachliche Strukturen, schreibt kreativ und erweitert seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Es nimmt seine Grenzen wahr und lernt, Konflikten konstruktiv zu begegnen. Es beginnt, sich realistisch einzuschätzen und seine Umgebung so zu gestalten, dass es sich konzentrieren und seine Arbeit seinen eigenen Bedürfnissen gemäß organisieren kann.

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